Magazin / Reportagen 
Mädchen sitzt vor dem Computer © MA HSH

Schwerpunkt: Jugendmedienschutz

Für die Medienanstalt Hamburg/ Schleswig- Holstein ist die Förderung der Medienkompetenz eine wichtige gesetzliche Aufgabe. Dr. Thomas Voß, zuständig für Medienkompetenzförderung in der Medienanstalt, erläutert Bedarfe, Ziele und Handlungsfelder.

Das Medienangebot weitet und differenziert sich derzeit massiv aus. Die Mediennutzung, insbesondere des Internets, steigert sich erheblich. Diese Prozesse führen dazu, dass Kinder und Jugendliche bei der Nutzung des Internets, der beliebten Web 2.0 Plattformen und Online-Spielwelten durch problematische Inhalte und Nutzungsformen erheblichen Risiken gegenüber stehen. Die Förderung der Medienkompetenz soll helfen, diesen Risiken entgegenzuwirken und zugleich zu einer sinnvollen Nutzung des kommunikativen und kulturellen Potenzials der digitalen Medienwelt beizutragen.

Konzept und Ziele
Im Zentrum der Medienkompetenzförderung der Medienanstalt Hamburg/ Schleswig-Holstein (MA HSH) steht der Kinder- und Jugendmedienschutz. Gerade beim Internet stößt die medienrechtliche Kontrollaufgabe der MA HSH schnell an ihre Grenzen. Mehr noch als bei anderen Medien ist daher für die Nutzung des Internets der präventive Jugendmedienschutz durch die Medienkompetenzvermittlung von entscheidender Bedeutung. Lernen ist in unserer modernen Wissensgesellschaft ohne die kompetente Nutzung auch der Online- Medien kaum noch vorstellbar. Zugleich sollen junge Menschen schon früh lernen, Medien nicht nur kritisch zu rezipieren, sondern sich auch aktiv und partizipierend an unserer Mediengesellschaft zu beteiligen. Die etablierten Bildungsträger werden dieser Herausforderung derzeit noch nicht hinreichend gerecht. So stellte die von der Medienanstalt in Auftrag gegebene Volpers- Studie fest, dass im Bereich der Onlinenutzung von 6- bis 13- jährigen Kindern derzeit in Hamburg und Schleswig- Holstein nachweislich das größ­te Förderungsdefizit besteht. Darüber hinaus wurde ein großer Bedarf an Koordination, Bündelung und Verstetigung der Medienkompetenzaktivitäten festgestellt und die Einrichtung einer zentralen Institution mit dieser Aufgabenwahrnehmung empfohlen. Zur Verbesserung wird u.a. eine weitergehende Verzahnung der außerschulischen medienpädagogischen Initiativen mit der schulischen Unterrichtspraxis vorgeschlagen. Hierzu sei es allerdings notwendig, dass die außerschulische Medienkompetenzförderung systematischer und verlässlicher finanziell gesichert, der Transfer von außerschulischer Medienkompetenz also koordiniert werde. Die Studie kann auf der Homepage der MA HSH heruntergeladen werden.

Handlungsfelder
Angesichts der derzeit drängenden Jugendschutzprobleme durch die Online- Nutzung von Kindern und Jugendlichen konzentriert die MA HSH ihre Aktivitäten zunächst auf die Förderung der Internetkompetenz von Kindern und Jugendlichen: Jedes Kind bzw. jeder Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren in Hamburg und Schleswig- Holstein soll bis spätestens Ende 2013 durch mindestens ein qualifiziertes pädagogisches Angebot erreicht werden und die Möglichkeit erhalten, Grundkompetenzen für die jugendschutzkonforme Internet- Nutzung zu erwerben. Die Förderung soll Kinder und Jugendliche unmittelbar oder mittelbar in Form von Eltern, Lehrer- und Erzieherinnenqualifizierung erreichen. Der Weg dahin führt über eine enge Zusammenarbeit mit den öffentlichen Lernorten (Schulen, Jugendverbände, Kitas) sowie mit Bibliotheken, Kulturzentren und weiteren Einrichtungen. Eine systematische Integration von Medienkompetenzvermittlung beispielsweise in die Lehrerausbildung, den schulischen Unterricht, in die Ausbildung zum Jugendgruppenleiter oder in die Kursangebote von Kulturzentren und Volkshochschulen würden einen Erfolg bei der Förderung der Internetkompetenz von Kindern und Jugendlichen darstellen. Die wichtigsten Handlungsfelder sind:

Öffentlichkeitsarbeit und Beratung:
In der Öffentlichkeit, bei Eltern und Lehrern ist das Thema zwar von herausragender Bedeutung. Gleichzeitig fühlen sich viele Erwachsene aber gegenüber dem Eintauchen ihrer Kinder in digitale Medienwelten überfordert und suchen Information, Beratung und Unterstützung.

Forschung:
Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit den Hochschulen sind erforderlich, um die Integration der Medienkompetenzvermittlung in den Unterricht vorzubereiten und die Lernerfolge zu evaluieren.

Unterstützung der Infrastruktur:
Da die Schulen und ihre Lehrkräfte Medienkompetenz schon kapazitär nicht flächendeckend vermitteln können, sind auß­erschulische Pädagogen und Multiplikatoren medienpädagogisch weiterzubilden. Sie können dann als Referenten und Dozenten für medienpädagogische Elternabende in Schulen und Kitas sowie für Lernangebote in Projektform für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden.
Die MA HSH will eine außerschulische Infrastruktur schaffen, auf die die öffentlichen Lernorte und Kommunikationszentren (Stadtteil- und Jugendzentren, Bibliotheken, Schulen, Kitas) zur Medienkompetenzvermittlung im Bedarfsfall zugreifen können. Dies schließt auch die Bereitstellung von Materialien ein. Vor diesem Hintergrund initiiert und fördert die MA HSH eine ganze Reihe von Medienkompetenzprojekten für Kinder und Jugendliche. Auch Projekte der Eltern- und Pädagogenqualifizierung werden erfolgreich auf den Weg gebracht. Einzelheiten sind auf der Homepage unter dem Thema „Medienkompetenz“ abrufbar.

Daneben engagiert sich die MA HSH für eine verbesserte Vernetzung und Infrastruktur der Medienkompetenzförderung. In Hamburg münden diese Aktivitäten unter anderem in das von der MA HSH maß­geblich unterstützte „Rahmenkonzept Medienkompetenzförderung“, das Anfang 2011 Gegenstand einer Senatsdrucksache werden soll. Das Rahmenkonzept soll den aktuellen Stand, den Bedarf und das Entwicklungspotenzial für die Medienkompetenzförderung in Hamburg darstellen und somit die Grundlage für eine Strukturplanung in diesem Feld für die nächsten Jahre bilden. Die MA HSH nimmt hier ihre Rolle als Koordinatorin der verschiedenen Angebote und Bedarfe wahr.

Autor: Dr. Thomas Voss
Erschienen im Stadtkulturmagazin Ausgabe 15/2010
www.stadtkulturmagazin-hh.de

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