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Nachwuchsfilmschaffende bei abgedreht: Ronja und Jan

Vom 14. bis zum 15. Dezember 2017 hat das Nachwuchsfilmfestival abgedreht bereits zum 29. Mal in Hamburg statt gefunden. Junge Filmemacherinnen und -macher aus der Metropolregion Hamburg präsentierten Publikum und Jury ihre Nachwuchsproduktionen. Die besten Filme wurden bei der Preisverleihung ausgezeichnet. Das Mediennetz Hamburg hat mit Ronja und Jan gesprochen, die bei dem Musikvideo-Projekt "BeatUp" mitgemacht haben. Das Musikvideo Musikvideo zum Song "Spanky" hat einen der Nachwuchspreise gewonnen.

Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ronja: Ich bin Ronja, 17 Jahre junge Schülerin aus Harburg. Am ber am liebsten mache ich Dinge, die Kreativität erfordern. Ich finde es total spannend, mich in andere hineinzuversetzen und mir Figuren auszudenken und habe so irgendwann meine Liebe zum Schauspielern entdeckt. Außerdem bin ich Musik- und Pferdemensch und lerne gerne Sprachen :)

Jan: Hey, ich bin Jan. 20 Jahre alter Geschichtenerzähler und lerne inzwischen den Beruf des Mediengestalters für Bild und Ton. Wenn ich nicht gerade für die Arbeit mit der Kamera herumwedel, etwas schreibe oder schneide, dann wedel ich für mich oder andere mit der Kamera herum, schreibe oder schneide…

Mediennetz Hamburg: Mit welchem Film seid bei abgedreht dabei gewesen und worum gehts?

Ronja: Ich bin bei abgedreht mit den zwei Musikvideos "Spanky" und "Die Bombe" des Kultur-macht-stark-Projektes „BeatUp“ dabei. Wir entwickeln selbstständig Ideen für Musikvideos und drehen diese dann auch. Bei dem Video für den Song "Spanky" haben wir mit einem der Interpreten - Jaques Palminger (urkomischer Typ, übrigens) - zusammen gedreht und die abgedrehte Geschichte eines Tierheimhundes, der unbedingt zu seinem alten Herrchen zurück will und dabei Bollywoodtänzern und seinen eigenen Erinnerungen begegnet, erzählt.

Bei "Die Bombe" haben wir uns zu dem etwas düster-poppigen Stück der Singer-Songwriterin Elena eine Geschichte über eine graue, von gesichtslosen Gestalten überwachte Welt ausgedacht, in der sich zwei mutige Menschen mit Liebe und Farben gegen den alles verschlingenden grauen Rauch wehren. 

Erzähl uns etwas über den Hintergrund des Films. 

Jan: Bei „Spanky“ gab es nicht das Problem eine Idee zu finden, vielmehr lag die Schwierigkeit darin, die vielen Bilder und Vorstellungen zu verknüpfen und umzusetzen. Die Bollywood-Idee etwa kam von Jaques Palminger selbst, was die Entwicklung des Drehbuchs jedoch nicht unbedingt erleichtert hat. Da „Spanky“ und Bollywood total gegensätzlich wirkten. Um daher einen besseren Zugang zum Lied in Verbindung mit den typischen Bollywood Elementen zu bekommen, haben wir den Song also zunächst mit verschiedensten Bollywood-Szenen aus existierenden Filmen zusammengeschnitten. Was dabei heraus kam, überraschte uns nicht nur alle selbst, sondern hat gerade bei unserer späteren Umsetzung sehr geholfen und nicht zuletzt meine Sichtweise auf die Regiearbeit total verändert. 

Bei Bombe waren die Idee und das Drehbuch schnell entwickelt. Die große Herausforderung lag hier vielmehr in der praktischen Umsetzung. Wir mussten viel herumexperimentieren, um den Nebel und die Farben wie gewollt zu inszenieren. Außerdem gab es viele Details und Ideen, die erst Vorort entstanden sind. Zum Beispiel der rauchende Kaffeebecher!

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim abgedreht vor Publikum vorzustellen? 

Ronja: Für mich ist es immer ein schöner Moment mit anderen Leuten eine Sache, in die man seine ganze Leidenschaft und Kreativität reingesteckt hat zu teilen. Es ist ein bisschen wie wenn einem ein selbstgemachtes Geschenk richtig gut gelungen ist und man es unter den Weihnachtsbaum legt. Aber wenn es dann auch geöffnet wird und jemand anderem gefällt, macht es einen noch viel glücklicher. 

Außerdem wünsche ich einfach vielen Leuten in meinem Alter, dass sie sehen, was es alles für Möglichkeiten gibt, seine Ideen zu verwirklichen und zu lernen sich zuzutrauen, etwas selbst in die Hand zu nehmen. Und gerade in die Richtung haben wir Hamburger so ein Privileg, weil uns so viele Angebote offenstehen, man muss nur ein bisschen suchen und so ein Nachwuchs-Film-Festival ist eine großartige Plattform dafür.

Jan: Generell ist es immer toll, wenn jemand deine Filme sieht. Auf der großen Leinwand, bekommt man dann oft zusätzlich eine Vorstellung davon, wieso man überhaupt Filme dreht. Denn Kino ist halt ein bisschen wie Kirche - das Handy bleibt aus, der Mund zu und die Welt draußen. Sodass für einen Moment die Aufmerksamkeit nicht woanders ist, was ja heute umso seltener ist und deshalb auch so besonders. Das Wichtigste ist natürlich, wenn man auch die Möglichkeit hat mit anderen über die eigenen oder andere Filme zu reden und möglicherweise neue ,,Kollegen‘‘ kennenlernt. 

Uns interessiert, an welchen Filmworkshops du in der Schule, Hochschule oder außerhalb davon teilgenommen hast.

Jan: Im Grunde habe ich von Anfang an versucht alle Initiativen zu ergreifen, die sich mir geboten haben, um möglichst viel mit Film in Berührung zu kommen. Angefangen von kleinen Filmen statt Referaten in der Schule über eigene kleinere  und mittlere Filmprojekte bis hin zu Praktika am Filmset und natürlich ,,Beat-Up’‘ das Projekt, welches mich meine ganze Oberstufenzeit hinweg begleitet hat und wo sich mir zum ersten Mal die Möglichkeit bot, auch im professionelleren Rahmen in allen Bereichen des Films arbeiten zu dürfen. So konnte ich, egal ob am Drehbuch, als Kameraassistent später als Kameramann, Produktionsleitung  oder Regisseur, zahlreiche Videos für ,,Beat-Up’‘ begleiten und mitgestalten.

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, willst du dich weiter professionalisieren im Bereich Film?

Ronja: Ich werde auf jeden Fall dabei bleiben, solange ich noch kann und habe großes Interesse auch in die Richtung weiterzugehen. Meine größte Leidenschaft ist es, als jemand anderes oder ich selbst auf der Bühne (oder vor der Kamera) zu stehen und alle Facetten, die irgendwo in mir versteckt sind, ausleben zu können.

Die Entscheidung, was Hobby bleiben soll und was nicht, finde ich nicht einfach zu treffen aber egal wie sich das entwickelt, bleibe ich auf jeden Fall dabei, weil Filme einfach eine tolle Möglichkeit sind sich selbst und seine Ideen auszudrücken.

Und sollte das Schauspielern nicht mein Beruf werden, habe ich noch tausend andere Ideen und könnte mir auch vorstellen in anderen Bereichen des Films oder Theaters Fuß zu fassen. Aber bis dahin schaukle ich noch in den Wiegen des Schulsystems und lasse mir noch ein bisschen Zeit...

Jan: Der Traum, irgendwann Film zu studieren und mehr über die Philosophie im Film zu erfahren, ist bei mir gerade genauso groß wie die Lust an praktischer Arbeit und an kleineren Projekten. Gerade durch die Ausbildung lerne ich wie es möglich sein könnte später auch von dem Leben zu können, wofür man brennt, was ich vorher weniger für möglich hielt. In der Arbeit versuche ich deshalb professioneller, besser und strukturierter zu werden  - in meiner Freizeit reagiert hingegen oft das Chaos. In Zukunft will ich deshalb auch für alles offen sein, ob Musikvideos oder eine eigene Ausstellung , alles ist möglich - außer eine Spanky-Fortsetzung!

Vielen Dank für das Interview und herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchpreis!

Foto: Hirn und Wanst